Glasfasertechnologie: Grundlagen, Ausbau und Marktperspektiven

Technische Grundlagen von Glasfasernetzen

Singlemode vs. Multimode: Aufbau und Eigenschaften

Glasfaserkabel lassen sich grundlegend in zwei Kategorien unterteilen: Singlemode-Fasern (OS) und Multimode-Fasern (OM). Während Multimode-Fasern historisch Kerndurchmesser von 62,5 Mikrometern aufweisen, besitzen moderne Singlemode-Fasern einen Durchmesser von nur 9 Mikrometern – zum Vergleich: Ein menschliches Haar misst etwa 60 bis 90 Mikrometer. Der Kern und der Mantel beider Fasertypen haben standardmäßig einen Durchmesser von 125 Mikrometern und werden durch Schutzschichten sowie eine äußere Hülle stabilisiert.

Glasfasertechnologie: Grundlagen, Ausbau und Marktperspektiven
© Nils Austa (CC BY 3.0)

Die optischen Eigenschaften unterscheiden sich erheblich. Multimode-Fasern arbeiten mit Wellenlängen um 850 Nanometern und eignen sich für Entfernungen von 100 bis 1.000 Metern, weshalb sie primär in Local Area Networks (LAN) zum Einsatz kommen. Hierbei entstehen Reflexionen an der Mantelwandung, was zu höheren Dämpfungsverlusten führt. Singlemode-Fasern nutzen Wellenlängen zwischen 1.310 und 1.550 Nanometern, wobei der Lichtstrahl punktförmiger und weniger verrauscht ist. Sie überbrücken Distanzen von 5 bis 120 Kilometern ohne zusätzliche Hilfsmittel und sind daher für Wide Area Networks (WAN) unverzichtbar. NMMN weist darauf hin, dass ein direktes Verspleißen von Singlemode- und Multimode-Kabeln nicht möglich ist – der Fasertyp muss durchgängig identisch sein.

Die Farbcodierung hilft bei der Identifikation: Singlemode-Kabel sind meist gelb, während Multimode-Kabel des Typs OM3 typischerweise türkis gefärbt sind. Für die Verbindung kommen verschiedene Steckertypen zum Einsatz: LC-Stecker sind heute der Standard für Singlemode-Patchpanels und SFP-Module, SC-Stecker finden sich häufig in der Gebäudeverkabelung für Multimode, und E2000-Stecker werden vorrangig in Carrier-Patchpanels verbaut, da sie besonders geringe Dämpfungswerte aufweisen.

Übertragungsverfahren: Von Dark Fibre bis DWDM

Für die Datenübertragung über weite Strecken stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung. Als Dark Fibre bezeichnet man ein unbeleuchtetes Glasfaserpaar (Transmit und Receive), das exklusiv vom Kunden oder seinem Internet Service Provider genutzt wird. Der Kunde setzt eigene Technik für das Übertragungsverfahren ein und kann die Verbindung als 1, 10, 25 oder 100 Gbit/s-Leitung nutzen oder mittels optischer Multiplexer in bis zu 18 einzelne 10/25-Gbit/s-Verbindungen aufteilen.

Beim CWDM (Coarse Wavelength Division Multiplexing) mietet der Kunde eine einzelne Wellenlänge beim Carrier an. Der Frequenzabstand beträgt gemäß ITU-T G.694.2 20 Nanometer für 18 Kanäle zwischen 1.270 und 1.610 Nanometern. Das Verfahren eignet sich für Metro-Netzwerke mit Entfernungen bis zu 160 Kilometern. Für größere Distanzen zwischen Städten kommt DWDM (Dense Wavelength Division Multiplexing) zum Einsatz. Hier sind Frequenzabstände von 0,8 Nanometern für 40 oder 96 Kanäle (ITU-T G.694.1) möglich. DWDM-Verbindungen nutzen Erbium-dotierte Faserverstärker (EDFA), um das Lichtsignal unterwegs zu verstärken und so auch große Entfernungen zu überbrücken.

FTTH-Ausbau: Definition, Status und Herausforderungen

Ausbaustufen und technische Definitionen

Fiber to the Home (FTTH) bezeichnet ein Fernmeldenetz, das Glasfaser bis in jedes Geschäfts-, Mehr- oder Einfamilienhaus führt. Es stellt die höchste Ausbaustufe dar, bei der die letzte Meile nicht mehr aus Kupfer- oder Koaxialkabel besteht. Vorangehende Stufen sind FTTC (Fibre to the Cabinet), bei dem Glasfaser nur bis zum Quartier-Verteilkasten verlegt wird, und FTTB (Fibre to the Building), bei dem die Faser bis zum Gebäude geführt wird, jedoch die interne Verteilung weiterhin über Kupfer erfolgen kann. Die Eidgenössische Kommunikationskommission (ComCom) betont, dass FTTH notwendig wird, da alte Kupferleitungen dem wachsenden Bedarf nach höheren Bandbreiten für hochauflösendes Fernsehen und Internet-Applikationen nicht mehr genügen.

In der Schweiz wurden zur Förderung des Ausbaus ab 2008 vier Industriearbeitsgruppen unter der Leitung des BAKOM eingesetzt, die sich mit hausinterner Verkabelung (L1), Standardisierung des Netzzugangs (L2), Übergabepunkten (L1B) und Vertragsgestaltung zwischen Hauseigentümern und Betreibern (AG3) befassen.

Ausbaufortschritt und Akzeptanz in Deutschland

Die Bundesregierung strebte bis Ende 2025 eine Glasfaser-Verfügbarkeit von 50 Prozent aller Haushalte an, bis 2030 soll eine flächendeckende Versorgung erreicht werden. Laut einer Marktanalyse des Bundesverbandes Breitbandkommunikation (BREKO) lag die bundesweite Ausbauquote Anfang 2025 bei 52,8 Prozent (homes passed), während die tatsächliche Anschlussquote nur bei 27,3 Prozent (homes connected) lag. Die Take-up-Rate, also der Anteil der Haushalte, die einen verfügbaren Anschluss auch tatsächlich buchen, beträgt damit lediglich 27 Prozent.

Gründe für die geringe Nachfrage sind laut einer Studie von BearingPoint die Zufriedenheit mit bestehenden Bandbreiten, höhere Kosten sowie mangelndes Wissen über technische Vorteile: 15 Prozent der Befragten wussten nicht, welche Vorteile Glasfaser bietet, und 51 Prozent fühlten sich nur mittelmäßig oder schlecht aufgeklärt. Dennoch bietet FTTH entscheidende technische Vorteile: Download-Geschwindigkeiten von bis zu 1 Gbit/s und Upload von 500 Mbit/s, Latenzzeiten deutlich unter 10 Millisekunden sowie garantierte Bandbreiten ohne Teilen mit anderen Nutzern. Zudem steigert ein Glasfaseranschluss den Immobilienwert und punktet mit einer besseren Ökobilanz durch geringeren Energieverbrauch und längere Lebensdauer gegenüber Kupferkabeln.

Marktperspektiven und technologische Innovationen

Globale Marktentwicklung

Der globale Markt für Glasfasertechnologie wächst dynamisch. Nach Schätzungen von Fortune Business Insights wurde der Markt 2025 mit 8,96 Milliarden US-Dollar bewertet und soll bis 2034 auf 21,16 Milliarden US-Dollar anwachsen, was einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 10,10 Prozent entspricht. Nordamerika dominierte 2025 mit einem Marktanteil von 38,70 Prozent (3,47 Milliarden US-Dollar), wobei die USA durch Programme wie den Connect America Fund den Ausbau in ländlichen Regionen vorantreiben. Im asiatisch-pazifischen Raum wird das höchste Wachstum erwartet, getrieben durch Smart-City-Initiativen und den Ausbau der 5G-Infrastruktur.

Nach Fasertyp dominiert Glas mit einem Anteil von 69,67 Prozent gegenüber Kunststofffasern, die eher für Dekorations- und Beleuchtungsanwendungen genutzt werden. Multimode-Fasern hielten 2026 einen Marktanteil von 51,65 Prozent, da sie für kurze Distanzen bis 600 Meter in Rechenzentren kostengünstiger sind und weniger Strom verbrauchen. Die Anwendung in der Telekommunikation dominiert mit 43,73 Prozent, während das Segment medizinische Geräte die höchste Wachstumsrate aufweist, bedingt durch den Einsatz in der Telemedizin und endoskopischen Bildgebung.

Innovationen und Zukunftstechnologien

Aktuelle Entwicklungen konzentrieren sich auf drei Bereiche: Ultra-Low Loss (ULL)-Fasern minimieren die Signalabschwächung über lange Distanzen und reduzieren die Notwendigkeit von Verstärkern. Biegeunempfindliche Fasern (bend-insensitive) ermöglichen Installationen in beengten Räumen wie Rechenzentren und urbanen Gebäuden ohne Leistungsverluste bei starken Kabelbiegungen. Dritter Bereich ist die Präzisionsspleißtechnik: Automatisierte Ausrichtung mittels Laser und Kameras sowie KI-gestützte Fehlererkennung in Spleißgeräten reduzieren Einfügedämpfungen und erhöhen die Netzwerkzuverlässigkeit.

Wichtige Marktteilnehmer wie Corning – das 1970 die erste verlustarme Glasfaser entwickelte – treiben diese Innovationen voran. Jüngere Entwicklungen umfassen Corning's Investition von über 500 Millionen US-Dollar in einen Produktionscampus in North Carolina (März 2023), Nokia's Übertragungsrekord von 800 Gbit/s über 1.866 Kilometer (Januar 2024) sowie neue Lösungen für optische integrierte Schaltkreise von PI (Physik Instrumente). Weitere technische Details zu aktuellen Trends finden sich bei Amerifiber.